Dagmar Isabell Schmidbauer
Krimis, die alles enthalten: Spannung, Erotik, Hass, Liebe, Schuld

Mit den Karten einen Blick in die Zukunft werfen

26
Feb 2012

Nach einer turbulenten fünften Jahreszeit stellen sich jetzt viele vielleicht die Frage: Was wird die Zukunft mir bringen. Nun kann man die Sache ruhig angehen lassen und einfach mal abwarten, man kann Pläne machen und schauen was davon umzusetzen ist oder man geht zu einer Wahrsager- oder Kartenlegerin. Wie viel man den Karten glauben mag, hängt sicher auch davon ab, wie viel Vertrauen man der Kartenlegerin entgegenbringt. Und darum sollte man sich erst einmal mit dem Thema beschäftigen, wissen, was man überhaupt wissen möchte.

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Beim Kartenlegen mit Christa

Christa lebt im Grenzgebiet zwischen Bayern und Österreich und ist eine warmherzige und freundliche Frau. Neugierige Klienten empfängt sie in ihrem Haus. Bevor sie die Besucher nach dem befragt, was sie wissen möchten, bietet sie ihnen eine Tasse Tee an, sie sollen sich schließlich wohlfühlen. Dann legt sie die Karten mit großem Einfühlungsvermögen und dem Wissen um das, was sie zu ihren Klienten sagen kann. Das Kartenlegen hat in ihrer Familie eine große Tradition. Schon der Vater und der Großvater haben Karten gelegt, eine Tatsache, die ihr als Kind aber nicht bekannt war und so war sie erst einmal verunsichert, als sie bei sich selbst Dinge bemerkte, auf die sie sich keinen Reim machen konnte. „Ich habe Sachen vorausgesehen, Lustiges, aber auch Unheilvolles und ich wusste nicht, was mit mir ist“, erzählt die sympathische Brünette. „Es gab da ein geheimnisvolles Zimmer, in dem der Vater Gäste empfangen hat, aber ich wusste nicht, was da drin passiert.“ Später sagte er zu ihr, sie solle sich mit den Karten beschäftigen, „Aber ich wollte das nicht, wollte mit all dem nichts zu tun haben, einfach normal sein.“ Denn sie erlebte ja auch, wie der Vater manchmal unter seinem Wissen litt. Trotzdem begann sie irgendwann für sich und für Freunde die Karten zu legen. Und weil immer mehr kamen und darum baten, dass sie doch einen Blick für sie in die Zukunft werfen möge, meldete sie schließlich ein Gewerbe an.

„In den meisten Gesprächen geht es um die Liebe“, verrät sie. Erstaunlich ist vielleicht, dass Frauen und Männer gleichermaßen zu ihr kommen und sich dann vor allem dafür interessieren, ob sie den Partner bekommen, den sie sich erwählt haben. „Wenn ich dann sage, das ist nicht der Richtige, dann sind viele sauer, aber oft habe ich leider Recht!“ Manchmal findet sie es schon schade, dass die Leute zu ihr kommen und dann doch nicht auf ihren Rat eingehen. „Ich frage sie dann, warum sie überhaupt zu mir kommen, wenn sie am Ende doch nicht machen, was ich ihnen rate?!“ Aber viele wollen einfach nur von ihr hören, dass alles so wird, wie sie es sich wünschen und sind dann enttäuscht. Ganz selten wird sie sogar beschimpft, was Christa allerdings mit großer Gelassenheit aufnimmt. „Ich kann doch nur weiter geben, was die Karten mir sagen!“ Sie sagt den Leuten dann, sie sollen doch einfach abwarten und oftmals erfährt sie später, dass sie eben doch Recht hatte. „Das werden manchmal die treuesten Klienten“, weiß sie inzwischen.

Wer zu ihr kommt, muss volljährig und auch reif für die Karten sein. „Die älteste Frau die zu mir kam, war 84 Jahre alt. Sie wollte wissen, ob sie in diesem Jahr sterben wird. Ich habe Ja gesagt und sie war damit zufrieden, weil sie alles regeln konnte“, erzählt sie und auch, dass die Frau tatsächlich verstarb. Manchmal kommen auch Ehepaare, „Wenn sie aber wissen will, ob ihr Mann ihr treu ist, dann wartet der Mann solange draußen.“ Das Kartenlegen ist ein altes Gewerbe und auch heute noch geht es um Liebe, Kinder und Schwangerschaft, genau wie schon vor hundert Jahren. Vielleicht weil diese Themen so selbstverständlich sind und doch auch so interessant und man letztlich einfach zu wenig darüber weiß. Die Karten sollen Lebenshilfe sein, sagt sie und weiß, dass es manchem einfach nur gut tut, über seine Probleme zu reden. Wenn sie etwas ganz Schlimmes sieht, sagt sie das aber nie direkt. „Oft ist es ja auch so, dass sich manches schlimm anhört und dann doch auch eine gute Seite hat.“

Auf Inserate und dergleichen kann sie inzwischen verzichten, es spricht sich rum und die Leute kommen von Augsburg bis Österreich zu ihr, das reicht ihr ohnehin.
Eine Sitzung dauert etwa eine Stunde, „Wenn es nötig ist, können aber auch zwei oder drei daraus werden.“ Etwa zehn Prozent kommen aus Neugier, die anderen sind oft treue Klienten, die zwei bis drei Mal pro Jahr kommen und sich von ihr oder anderen Kartenlegern durch das Leben leiten lassen.
Neben dem Jahreswechsel sind der Fasching und die Urlaubszeit die Hochburgen fürs Kartenlegen. „Viele wollen nach dem Urlaub wissen, ob es was wird, mit der neuen Beziehung!“ Über Prüfungsergebnisse gibt sie keine Auskunft. „Wenn ich sage es klappt, denkt derjenige, wofür lernen, ich hab's doch eh schon in der Tasche und wenn ich sage es klappt nicht, ist er so demotiviert, dass es auch nicht klappen kann.“ Und auch auf Glücksspiele macht sie keine Voraussage.

Vor einer Sitzung ist Christa auch heute noch aufgeregt. „Es ist einfach spannend, wer kommt diesmal und was will derjenige wissen.“ Manchmal legt sie auch jemand nahe zu einem anderen Kartenleger zu gehen, weil sie spürt, dass es keine Basis für ein vernünftiges Gespräch gibt. „Ich möchte, dass die Menschen, die zu mir kommen, zufrieden sind, dann geht es auch mir gut.“ Dass die Menschen im Bayrischen Wald anders sind, als die Ratsuchenden in Augsburg hat sie inzwischen gelernt und fühlt sich wohl in ihrer neuen Heimat. Sie selbst war noch nie beim Kartenlegen. Sie weiß einfach, dass es zu viele Scharlatane im Gewerbe gibt. Darum rät sie: „Unseriös ist es immer, wenn nicht der Klient, sondern der Kartenleger fragt.“ Auch am Telefon meint sie, könne niemand in die Zukunft sehen. Und noch etwas ist ihr aufgefallen: „Am Anfang des Jahres, wenn die Nachfrage groß ist, schießen die Kartenleger wie Pilze aus dem Boden, später verschwinden sie dann ebenso schnell wieder.“ Das Angebot in Seminaren oder aus Büchern das Kartenlegen zu erlernen, hält sie für schlichten Unsinn. Entweder man hat die Gabe oder man hat sie nicht. Erlernen kann man sie ihrer Meinung nach nicht, „Da muss schon was in dir sein.“ Bei allem was sie tut, gibt ihr der Erfolg Recht, darum nennt man Christa heute auch „die Seherin vom Bayrischen Wald“.